1911-2011: 100 Jahre Landhaus in Hochried
Ab 1911 plante Loeb zahlreiche Bauvorhaben in München und Murnau, darunter sein Landhaus in Hochried. Er erwarb ein ca. 24 Hektar großes Gelände am Südufer des Staffelsees, ließ dieses teilweise einebnen und eine prachtvolle Straße anlegen. Loebs Architekt Carl Sattler plante für das Grundstück ein Wohnhaus sowie weitere Wirtschaftsgebäude (hierbei handelt es sich um die beiden heute noch bestehenden Torhäuser an der Grundstückszufahrt). Die Baupläne hierzu wurden im Auftrag der Gemeinde vom Murnauer Architekten Emanuel von Seidl begutachtet. In den folgenden zwei Jahren wurden die Gebäude schließlich gebaut und fertig gestellt.
Das ab 1913 bezugsfertige Landhaus zeichnete sich im Erdgeschoß durch eine große, repräsentative Wohnhalle aus, die als Museum zur Aufnahme der Antikensammlung Loebs gedacht war. Diese wies eine Verbindung zum Bibliotheksraum auf, der wiederum direkt am Eingang platziert war. Schlafräume und Gästezimmer waren im Dachgeschoß zu finden. Die Außenansicht des Landhauses gestaltete Carl Sattler in zurückhaltenden Formen. James Loeb wünschte ausdrücklich kein Haus im bayerischen Heimatstil, obwohl dieser von Emanuel von Seidl stark propagiert wurde. Italienische Anklänge bei den Fenstern und amerikanische durch das mächtige Walmdach machen dies deutlich. Erwähnenswert ist zudem die prominente Nachbarschaft Loebs: Neben dem bereits erwähnten Emanuel von Seidl lebten und arbeiteten zur gleichen Zeit, jedoch anscheinend ohne gegenseitigen Kontakt, mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter zwei bedeutende Künstler des „Blauen Reiters“ in unmittelbarer Nähe im berühmten „Russenhaus“.
Nach den Wirren des ersten Weltkriegs, die für den US-Amerikaner in Deutschland nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen sind, wurde die Staffelsee-Gemeinde ab 1921 der Lebensmittelpunkt James Loebs und seiner Frau Marie Antonie Hambuechen, die er im Mai 1921 in der Schweiz geheiratet hatte. Zusammen mit seiner Frau gestaltete er sein Anwesen in Hochried parkähnlich um. Bis 1923 entstand hier ein großer Landwirtschaftsbetrieb mit Viehzucht und Gartenbau, der der Versorgung des Ehepaars Loeb und vieler Bedürftiger diente. In einer Beschreibung von 1925 formulierte Architekt Sattler:
„Auf einem 25 Hektar großen Terrain wurden Hügelrücken abgetragen, Mulden aufgefüllt, Wasserläufe geleitet und so ein einheitlicher Naturpark geschaffen, wie es in solcher Schönheit derer nur wenige bei uns gibt. Der Architekt hat das Haus im Kampf mit dem Terrain geschaffen. Der Bauherr und seine Gattin waren ihm Helfer, die ständig mit ihm dachten und berieten. So wurde dieses Haus nicht das Diktat des Künstlers, sondern das Ergebnis ständigen Sich-Durchdringens dreier hochkultivierter Menschen unter Führung des Architekten.“
Weiter
